Atelier Eidolon interviewt Dirk und Caroline von WELTENBRUNNEN

Dirk und Caroline, den Lesern als Cahal Armstrong und Blake O’Bannon bekannt, verstärken ihre Zusammenarbeit und präsentieren sich gemeinsam auf der neuen Webseite WELTENBRUNNEN. Atelier Eidolon will mehr wissen.

Atelier Eidolon: Hallo Caroline, hallo Dirk! Schön, dass ihr die Zeit gefunden habt, ein wenig über euch und eure Arbeit zu sprechen. Stellt euch doch zuerst kurz vor – was genau macht ihr hier eigentlich, auf Weltenbrunnen.de?

Dirk: Die Idee hinter unserer Website ist, dass wir unsere Kräfte bündeln wollen: Die Bücher, die wir gemeinsam geschrieben haben – Aramos und die Leitstern Trilogie, sowie der Rückzug von Facebook haben uns darauf gebracht, einen Webauftritt zu schaffen, der unsere Tätigkeit besser vermitteln kann. Gerade auch, weil sich unsere Zusammenarbeit intensiviert hat, was wir in Zukunft noch weiter ausbauen wollen, auch wenn wir weiterhin Solo-Projekte verfolgen.

Eine Frage, die sich bei zwei Autoren aus dem Bereich Fantasy und Science-Fiction beinahe aufdrängt: Was ist eigentlich eure Motivation? Warum schreibt ihr Geschichten?

Caroline: Es macht mir einfach Spaß, Geschichten zu erzählen. Für mich ist es eine Art Flucht aus dem Alltag, wenn ich schreibe und genau das möchte ich den Leuten geben.

Dirk: Bei mir ist es ganz ähnlich. Für mich ist die Idee und Motivation hinterm Schreiben, den Lesern eine Art Zuflucht zu geben, ein »literarisches Zuhause« nenne ich das immer. Bücher, Romane und auch Kurzgeschichten – dasselbe gilt übrigens auch für Filme und Spiele und all diese Erzählformen, die wir in unserer Alltagskultur haben – können einen Rückzugspunkt bilden. Wenn man sich in der Erzählung wohlfühlt und wenn man darin einen Platz findet, zwischen all den Helden, ihren Sorgen und Nöten, dann schöpft man daraus Kraft und am Ende kann diese Kraft einem Hoffnung geben. Das ist es, was mich motiviert: Meine Leser sollen aus meinen Geschichten etwas von dieser Kraft mitnehmen für sich und ihren Alltag. Aus diesem Grund ist es für uns auch wichtig, Geschichten zu schreiben, bei denen man sich wohlfühlt, wenn sie beendet sind.

 

Ist das auch der Grund für euch, Science-Fiction und Fantasy zu schreiben – weil ihr darin die Freiheit habt, euch diese Art von Erzählungen und Charakteren auszudenken?

Caroline: Mir ist es lieber, mir eine eigene Welt auszudenken, wo man manche Themen überspitzter ausdrücken kann, wo man das, was man im alltäglichen Leben empfindet, etwas deutlicher machen kann, sodass es andere nachempfinden können. Ich finde es wichtig, dass das Gefühl entsteht, nicht hilflos vor den Problemen zu stehen, etwas tun zu können oder an sich selbst zu arbeiten – das ist es, was die Geschichten vermitteln sollen.

Dirk: Ich finde auch, dass Science-Fiction nicht nur die Funktion hat, das technisch Realisierbare darzustellen, sondern auch zu zeigen, was zwischenmenschlich möglich ist. Es ist für mich eher ein Erzählgenre, das Menschlichkeit darstellt, manchmal im Spiegelbild des Außerirdischen oder Fremdartigen, als das es um technische Belange geht. Die Wissenschaft hinter Science-Fiction spielt natürlich immer eine gewisse Rolle, aber für mich liegt der wesentliche Mehrwert des Genres darin, dass man sich Gedanken darüber machen kann, wie sich der Mensch in Zukunft entwickelt. Was wird der Mensch werden? In welchem Übergang steht er gerade? Wohin geht er und welche Formen wird er annehmen, vielleicht auch in der Begegnung mit anderen Intelligenzen. Also zum Beispiel Außerirdischen oder künstlichen Intelligenzen.

Darin liegt auch der Fokus unserer Geschichten: das Menschliche darzustellen. So war es zum Beispiel auch bei Leitstern. Dort gibt es eine Gruppe von Charakteren, die in einer sehr schwierigen Umgebung, in einer von Konzernen kontrollierten Welt, versuchen müssen, ihr kleines Stückchen Freiheit zu erhalten, ohne sich selbst zu verkaufen, an die Regeln der Konzerne und den Druck, der dahinter steht. Der Kern unserer Geschichten besteht oft darin, dass die Charaktere ihr Leben in einer feindlichen und sich stark verändernden Welt meistern müssen, wofür sich Science-Fiction und Fantasy hervorragend eignen. Wie Caroline es schon sagte, kann man darin besser, als in einer Erzählung, die im Hier und Jetzt spielt bestimmte Merkmale verstärken und darauf schauen: Was wäre wenn, zum Beispiel das Geld, wie in unserer Welt, alles beherrschen würde.

Caroline: In unserer neuen Trilogie ist es so, dass es Menschen und Außerirdische gibt und die sind vollkommen unterschiedlich. Aber es geht nicht darum, die Unterschiede herauszustellen, sondern die Gemeinsamkeiten – wenn der Unterschied schon das Normale ist, fällt immer mehr das auf, was man gemeinsam hat, egal, wer oder was man ist. Auch, wenn die Charaktere es nicht so empfinden, ist es das, was die Geschichte am Ende transportiert.

Dirk: Ich glaube, das ist noch ein wesentlicher Punkt, bei dem, was wir schreiben: Es gibt Science-Fiction, die eine mögliche – auch negative – Version von dem zeigen will, was sein könnte, zum Beispiel Dystopien, die aber meiner Meinung nach grundsätzlich gescheitert ist. Niemand hat aus 1984 gelernt oder Brave New World, wir müssen uns nur umschauen in unserer Welt, um zu sehen: Das hat nicht funktioniert. Science-Fiction hat versucht, die Menschen aufzurütteln und es nicht geschafft.
Man könnte jetzt sagen, dass man das unbedingt weiter machen muss, aber ich würde sagen, dass man die Erzählung auf der einen und die Realität auf der anderen Seite etwas mehr getrennt halten muss. Unsere Philosophie beim Schreiben ist es, eine Welt für sich zu erschaffen, die ihren Fokus auf das Menschliche und den inneren Zuständen der Charaktere richtet und weniger das zeigt, was in der Welt alles schief geht. Unsere Romane sollen die Möglichkeit geben, einen Moment zurückzutreten aus dieser schwierigen, komplexen Welt, in der wir alle leben und sich zu erholen.

Ist diese Hoffnung und Möglichkeit zur Ausflucht, die ihr euren Lesern gebt, auch das, was ihr selbst bei anderen Künstlern sucht, die euch umgeben? Wer wäre das?

Dirk: Ich habe festgestellt, dass manche Schriftsteller und andere Künstler sich von Quellen inspirieren lassen, die ganz anders sind, als das, was sie selbst erschaffen – ein Musiker, der zum Beispiel ganz andere Musik hört als die, die er selbst macht. Aber bei mir ist das – glaube ich – nicht so. Bei mir ist es Roger Zelazny, der mich seit meiner Jugend unheimlich viel begleitet hat, und dann lese ich sehr viel querbeet, Fantasy und Science-Fiction. Was andere Künstler betrifft, sind wir große Brom-Fans (total!, wirft Caroline ein), dessen Bilder hier auch an der Wand hängen, und ich mag außerdem unheimlich gerne Science-Fiction-Concept-Art.

Also das Skizzenhafte, Unfertige, das Platz für die eigene Fantasie lässt.

Dirk: Ja genau, das fasziniert mich. Ich finde es unglaublich inspirierend, zu sehen, wenn etwas im Entstehen begriffen ist und noch nicht abgeschlossen und fertig. In diesem Zusammenhang gefallen mit auch Kurzgeschichten. Musik inspiriert uns übrigens auch!

Caroline: Genau! Bei mir ist es musikalisch vor allem Rockabilly, Psychobilly und Punk, da ziehe ich Kraft draus. Das ist tatsächlich etwas, was mir Spaß macht, da kann ich mitsingen (lacht). Die Autoren, die mich mein ganzes Leben schon begleiten, sind H.P. Lovecraft und Raymond Chandler. Philip Marlowe von Chandler ist für mich der perfekte Charakter: Er hat einfach diese Moral, egal wie beschissen und schlecht die Welt gerade ist, etwas Gutes zu machen, ein positiver Mensch. Was ich an Chandler mag, ist, dass zwischen den Zeilen so viel stattfindet, die Gefühle, über die vielleicht nicht so offen gesprochen wird. Generell lese ich gerne ältere Krimis, wie Dorothy Sayers, Agatha Christie, wo es nicht um eklige Themen wie Folter und Psychoterror geht, und Lovecraft, denn ich grusle mich gern.

Wir haben viel über Geschichten und eure Motivation dahinter gesprochen, aber was mich auch interessieren würde, ist: Wer seid ihr eigentlich, wenn ihr gerade nicht schreibt. Was für Menschen sind da hinter den Wörtern und Seiten?

Caroline: Zwerge! (lacht. Carolines Bemerkung erklärt sich später.)

Dirk: Hm, wer sind wir im »wahren Leben«? Stinknormale Leute. Wahrscheinlich sind wir viel normaler, als viele Leute annehmen (lacht). Tatsächlich ist das, was wir machen, ein ganz normaler Job, wir arbeiten jeden Tag, manchmal auch an Feiertagen …

Caroline: Als was würdest du dich denn bezeichnen? Ich würde von mir sagen, ich bin Zocker, also Gamer, dazu liebe ich Filme und Serien. Und da kann ich auch nicht über mich hinaus (grinst): Auch da ist es Fantasy und Science-Fiction. Und Rollenspiel – sich in verschiedene Rollen hineinzudenken macht einfach Spaß.

Dirk: Ich wüsste gar nicht so konkret, wie ich die Frage beantworten soll, meine Interessen wandeln sich immer so ein bisschen. Vielleicht bin ich so eine Art Suchender, ich suche nach Erfahrungen und Dingen, die man machen kann – wie viele andere Menschen vermutlich auch. Jetzt gerade wollen wir ins Live-Rollenspiel (also LARP) einsteigen, weil wir früher schon viel Pen&Paper gespielt haben, als Zwerge.

Caroline: Bei mir ist auch das Zeichnen noch wichtig, Bilder malen. Das ist in letzter Zeit ein wenig in den Hintergrund getreten ( – das macht dich aber auf jeden Fall aus, wirft Dirk ein, du hast immer einen Zeichenstift in der Hand oder bist am Zeichnen). Genau, und auch damit versuche ich, Geschichten zu erzählen, mit Gesten oder Symbolik). Und kleine, komische und/oder niedliche Charaktere aus Tonmasse, die mache ich auch gerne.

Dirk: Bei mir ist das Fotografieren und das in die Natur hinausgehen, in Zukunft will ich auch gern wandern. Das Naturerlebnis ist für mich wichtig, zu erleben, wie man von A nach B kommt, nicht einfach auszublenden, was währenddessen geschieht, sondern es mit allen Sinnen wahrnehmen. Viele meiner Geschichten handeln auch deshalb von Reisen.

Was euch auch ausmacht und auffällt, sobald man eure Wohnung betritt, sind nicht nur die Bilder an den Wänden, sondern auch die Bücher, Comics und Merchandise.

Dirk: Ja, wir haben wirklich zu viel Kram …

 

Caroline: Ich finde, das könnte noch mehr sein! (beide lachen) Das sind alles Dinge, die uns etwas bedeuten, wie zum Beispiel das Ghost in the Shell Bild hinter uns, wo uns die Geschichte berührt und inspiriert und auch weitergebracht hat.

Dirk: Genau, all diese Dinge, die uns hier umgeben, zeigen, dass wir immer wieder nach Erfahrungen suchen, die man in unserer Welt so nicht machen kann. Das Ungewöhnliche und Fremdartige, Andersartige interessiert uns einfach, deswegen sieht man auch so viel davon bei uns überall: Broms Bilder, Comics, Figuren und kleiner Nippes (lacht). Das macht uns aus. Es ist auch wichtig für uns, diese Dinge um uns zu haben, weil sie ständig auf uns einwirken. Das, was wir machen, zeigt sich auch in unserer Lebensumgebung.

Wenn ihr an eure Zeit als Schriftsteller denkt, gibt es da ein besonders schönes Erlebnis im Kontakt mit euren Lesern?

Dirk: Das schönste Erlebnis war, als ein Leser mir schrieb, dass er für sich ganz viel Kraft aus meinen Romanen gezogen hat, als er in einer sehr schwierigen Phase seines Lebens war. Für mich war das die größte Anerkennung, weil das genau das auf den Punkt bringt, was mich antreibt und motiviert, Geschichten zu schreiben. Es war das Gefühl, mein Ziel erreicht zu haben, jemandem eine Zuflucht zu bieten. Oft sind es auch nur kleine Bemerkungen, kurze Emails, die mich unheimlich motivieren weiterzumachen. Das zweitschönste Erlebnis war, als ich, meine Leser aufgefordert habe, mir zu schreiben – Leute schreibt mir, sagt mir, was ihr tut – ich wollte meine Leser einfach kennenlernen und da kam viel zurück.

Zuletzt noch eine Frage zu eurer gemeinsamen Arbeit. Ihr schreibt zusammen, wie kann man sich das vorstellen: Jeder ein Satz und dann …? Wie läuft der Schaffensprozess?

Caroline: Da wird sich um jedes Wort geprügelt (lacht)! Nein, da kommt es ganz auf die Geschichte an.

Dirk: Es fängt mit der Konzeption an. Meistens hat einer von uns eine tragende Idee – man spinnt gemeinsam weiter, wirft sich ein bisschen die Bälle zu. Meist hat einer mehr Konzept und Idee im Kopf und wenn das reif genug geworden ist, fängt man an, darüber zu reden und das zu entwickeln. Ganz viel Zusammenarbeit steckt in der Entwicklung. Bevor es überhaupt losgeht, der erste Satz niedergeschrieben wird, fängt der Austausch an. Die Kommunikation ist sehr wichtig beim gemeinsamen Schreiben.

 

Caroline: Bei uns ist es so, dass einer den Hauptteil schreibt und der andere ergänzt und geht über den Text drüber. Wir schreiben ja beide unterschiedlich.

Dirk: Ja, wir haben beide unsere eigenen Erzählweisen, was sich in unseren gemeinsamen Werken auch vermischt, aber einer ist letztendlich immer federführend. Ein Experiment, das wir gerne einmal unternehmen wollen ist, Kapitel für Kapitel zu schreiben (also abwechselnd), mit zwei Hauptcharakteren. Die Zusammenarbeit zwischen uns besteht eigentlich, wenn man es genau nimmt, schon seit Nefilim KI 1 in der Kommunikation zwischen uns beiden. Wir haben uns viel ausgetauscht.

Caroline: Irgendwie braucht man das auch, mit jemandem zu reflektieren. Manchmal hört der andere auch nur zu und dann kommt man weiter oder man steckt fest in einer Szene und fragt um Rat. Durch das Erzählen der Idee stößt man auf Schwierigkeiten und kann so Probleme lösen.

Dirk: Jedes Buch, das wir veröffentlicht haben, haben wir uns zuerst gegenseitig erzählt. So ein bisschen sind wir gegenseitig Beta-Leser, aber es geht noch einen Schritt weiter, weil wir – ein Beta-Leser würde vielleicht nur seine Meinung sagen –, aber bei uns war es von vornherein immer etwas mehr, es war von vornherein auch immer eine Zusammenarbeit.

Ihr arbeitet zusammen an der Early-Access-Version und ärgert euch über die Bugs (lacht).

Dirk: (lacht) Genau!

Caroline: (lacht) Ja, genau!

Wie kann ich mir vorstellen, was auf die Leser zukommt?

Caroline: Wir arbeiten zur Zeit an einer neuen Science-Fiction-Noir-Trilogie, aber worum genau es geht, soll noch geheim bleiben und wir hüllen uns bis dahin in Schweigen …

Dirk: Von mir als Solo-Projekt kommt demnächst der bereits angekündigte Iason-Roman. Das wird eine Art Spin-off mit Iason sein, der nach seiner Zeit mit den Nefilim angesiedelt ist. Iason versucht, anonym zu bleiben, während er in seinen alten Beruf als Schatzsucher zurückkehrt. Da er zwischenzeitlich in der VerWel sehr bekannt geworden ist, stellt das kein leichtes Unterfangen dar. Eigentlich ist das Chaos schon vorprogrammiert. Der Roman wird für sich stehen, also man kann ihn auch dann genießen, wenn man noch keinen einzigen NKI-Roman gelesen hat. NKI-Leser kennen allerdings Iasons Vorgeschichte und erhalten dadurch noch einen anderen Blick auf die Geschichte. Das macht sehr viel Spaß!

Damit kommen wir zum Ende des Interviews. Abschließende Worte?

Dirk: Vielen Dank an unsere Leser. Ohne euch würde es nicht gehen.

Was ich wahnsinnig toll finde, ist, dass wir die Gelegenheit haben, eine Welt entstehen zu lassen, nicht nur in unseren Köpfen, sondern dadurch, dass ihr alle da draußen da seid, dass wir die Möglichkeit haben, etwas zu schreiben, das dann in euren Köpfen eine Wirklichkeit annimmt – das finde ich unglaublich gut und bereichernd.

Na, das ist doch ein schöner abschließender Satz.

Dirk: Vielen Dank für das Interview!

Atelier Eidolon: Gern geschehen!

 

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