Q+A mit Cahal Armstrong

Aufgrund einer Newsletter-Aktion im September 2019 hatten Leser Gelegenheit, ihre Fragen an Cahal Armstrong zu stellen, den Autor von Nefilim KI.

Cahal Armstrong: “Vielen Dank an alle Leser, die die Gelegenheit ergriffen haben, mich mit spannenden Fragen zu löchern. Mir hat das Antworten viel Spaß gemacht, aber manchmal auch den Schweiß auf die Stirn getrieben. Ganz unten gibt es auch noch eine tolle Neuigkeit, aber lest selbst.

Frage: Wann kommen dir die Ideen für die Story von Nefilim KI, oder deine anderen Bücher? Bekommst du deine oftmals genialen Einfälle mitten unter der Dusche?

Antwort: Danke für die »genialen Einfälle«! Die Frage ist schwerer zu beantworten, als ich dachte. Unter der Dusche kommen mir tatsächlich manchmal Ideen, ob sie genial sind, weiß ich jetzt nicht. Ich vermute, die meisten Ideen entstehen im Unbewussten, während des Schlafes. Mittlerweile muss ich mich nur vor eine Tastatur setzen und die Ideen fließen. Scores und Soundtracks von Filmen und Spielen unterstützen den Prozess meist noch. Ich schreibe mittlerweile seit über zwanzig Jahren regelmäßig, seit 2012 beruflich. In den ersten Jahren, aber auch danach habe ich mich viel mit bekannten Kreativtechniken beschäftigt und meine eigene Kreativität »fit« gemacht. Man kommt vielleicht mit einer gewissen Vorstellungskraft auf die Welt, aber wie bei allem anderen reicht das nicht, man muss lernen und trainieren. Inzwischen gehört Kreativität zu meinem Alltag, die Einfälle sind ein Habitus, sie kommen einfach. Aber Kreativität verlangt auch nach Abwechslung, sonst wird sie eine zickige Gefährtin. Das ist eine neue Erfahrung für mich, die ich in Zukunft in meinen Alltag und die Planung meiner Arbeit einfließen lasse.

F: Verwendest du aktuelle Themen der realen Welt, welche du dann in deinen Büchern zwar änderst, aber die allgemeine Situation ist dieselbe? Flüchtlingspolitik und die Wiederbesiedlung Terras zum Beispiel.

A: Flüchtlingspolitik ist ein schwieriges Thema und scheint sich teilweise in Nefilim KI widerzuspiegeln, wenn es um die Wiederbesiedlung der Erde geht, doch gibt es tatsächlich keine Verknüpfung mit dem Tagesgeschehen in der Form von direkten Bezügen. Flüchtlinge gab es immer und wird es immer geben, sie sind ein Indikator für Katastrophen und ihre schrecklichen Folgen. In Nefilim KI flüchten die Menschen nicht mehr von der Erde, sie kehren bereits zu ihr zurück. Das ist notwendig um die Fehler zu beheben, die in der Vergangenheit von ihren Vorfahren, also uns, begangen wurden, damit sie sich und anderen Spezies eine neue Heimat schaffen können. Gibt es einen Bezug zum Tagesgeschehen, dann diesen: Wir, im realen Hier und Jetzt, machen gerade die oben genannten Fehler, die (fiktiv) in Nefilim KI behoben werden. Diese zerstörte Welt der Zukunft, die ich beschreibe, ist für mich die logische Konsequenz der Entwicklung der Gegenwart: Raubbau an der Natur, Gier, Machtmissbrauch, mangelnde Nächstenliebe. Der Mensch als Spezies befindet sich zurzeit leider in einer Talfahrt und der Grund ist noch nicht erreicht, wir nehmen eigentlich erst gerade ordentlich Fahrt auf.
Ich glaube aber, dass wir es schaffen können, den Schwung zu nutzen, um aus dem Tal wieder bergauf zu fahren, um diese Metapher mal etwas zu strapazieren.

F: Schreibst du hauptberuflich oder hast du einen Job und schreibst nebenher?

A: Ich schreibe hauptberuflich, mittlerweile seit rund acht Jahren und mache nichts anderes, was für mich die Erfüllung eines Lebenstraumes ist.

F: Wie läuft dein Tag so ab?

A: Ich habe einen relativ disziplinierten Tagesablauf und plane voraus, stelle mir allerdings am Abend keinen Wecker, weil ich das hasse und diese kleine Rebellion genieße.
Von Montag bis Freitag stehe ich auch ohne den Wecker zwischen 6 und 7 Uhr herum auf, ist einfach meine Zeit.
Am Vormittag schreibe ich meistens, manchmal plane und plotte ich, gelegentlich sind andere Dinge im Vordergrund: Newsletter, Webseitenpflege, Papierkram, betriebswirtschaftliches Zeug.
Nach einer Pause mit Spaziergang oder Fitness esse ich etwas, dann arbeite ich nachmittags nochmal.
Die Einteilung der Kräfte ist auch nach meiner Erfahrung wichtig, wenn man dauerhaft produktiv bleiben will. Ich bin daher mittlerweile dazu übergegangen, mein Wochenende als »heilig« zu erachten, die ersten Jahre habe ich das nicht gemacht. Ich gehe daher samstags gerne wandern oder unternehme irgendetwas, nur das Motorradfahren habe ich aufgegeben – es ist mir zu unsicher geworden auf den Straßen und das Wandern gibt mir erheblich mehr (und schont die Nerven meiner Familie). Sonntags schalte ich vollkommen ab, gern auch in Jogginghose auf dem Sofa, damit ich am Montag wieder frisch sein kann.

F: Mich würde interessieren, wie du zu deinen Ideen kommst. Entsteht ein Roman als grobe Rahmenidee, -konzept und wird er dann verdichtet, oder schreibst du einfach los und schaust, was rauskommt? Betreibst du Grundlagenforschung bezüglich Technik etc.?

A: Ein bisschen was habe ich ja schon bei der ersten Frage nach der Ideenfindung gesagt. Aber deine Frage zielt auf die Ausarbeitung ab, was der nächste Schritt nach der Idee ist.
Beinahe jeder Schriftsteller hat seine eigene Verfahrensweise und wir sind uns nur darin einig, dass wir uns uneinig sind, was die ideale Vorgehensweise betrifft. Es gibt Kollegen, die schreiben im Exposee Kapitel für Kapitel exakt auf, was geschehen soll und setzen das dann wohl auch so um. Ich habe festgestellt, dass dieses Verfahren mir zwar hilft einen groben Fahrplan für das Buch zu entwickeln, aber ich weiche dann immer davon ab (wie einige andere Kollegen auch).
Ich schreibe also Ideen zu einem neuen Roman auf, dann fange ich an. Ich lege sehr viel Wert darauf, lebendige Charaktere zu entwerfen, die auch Spaß machen dürfen, sowohl mir, als auch den Lesern. Das bedeutet, sie dürfen etwas Chaos mitbringen und sind nicht nur Marionetten, die ich an den Handlungsfäden stranguliere. Ich schreibe dann gut, wenn ich einen Teil der Handlungsvorgaben plane und den anderen Teil aus dem Bauch heraus beim Schreiben selbst entwerfe.
Zur Recherche: Ich bin vielseitig interessiert. Stoße ich auf Technologien, kulturelle oder soziale Entwicklungen, Entdeckungen gleich welcher Art, taste ich diese beinahe automatisch auf ihre Möglichkeit hin ab, sie für meine Erzählungen zu verwenden. Wenn ich das dann tatsächlich mache, recherchiere ich nochmal, was es damit auf sich hat, um Fehler zu vermeiden. Natürlich passieren die mir trotzdem, irgendjemand mit einem MIT- oder Harvardabschluss hat ja auch einen Putzlappen auf dem Hubble-Teleskop-Spiegel vergessen und die NASA macht Fehler beim Umrechnen von Fuß in Meter. Zwei Tatsachen, die ich übrigens gern im Hinterkopf behalte, wenn ich Technologien, Pläne und deren Anwendung beschreibe: Es läuft nie so, wie irgendjemand es sich ganz schlau ausgedacht hat.

F: Wie entwickelt man so etwas wie das NKI Universum? Bzw. eine längere Geschichte?

A: Im Gegensatz zur Idee, die meist zwischen tausend gleichartiger Einfälle (zumindest bei mir) um Aufmerksamkeit ringen muss, ist ihre Entwicklung recht aufwändig, manchmal ein jahrelanger Prozess. Sicher, man kann die Grundlagen in einer einzigen Stunde festlegen, aber wenn eine Geschichte wächst, wächst das Universum um die Geschichte herum mit. Es wird komplexer, es sei denn, man beschränkt es – doch das ist der Tod einer jeden guten Erzählung. Im Fall von Nefilim KI habe ich mit einer simplen Idee (Archäologe/Schatzsucher findet Roboter im Eis) angefangen und dann eine Space Opera aufgebaut, die meinem eigenen Lesewunsch entsprach. Ich habe also alles in den Hexenkessel hineingeworfen, was mir gefiel, dann habe ich mich mit dem Weltenbau auseinandergesetzt. Beim ersten Roman (aus Veröffentlichungsgründen in vier Teilen erschienen und dann erst wieder im Sammelband Claifex) habe ich insgesamt sieben Jahre Zeit für das Schreiben, bzw. den Weltenbau gehabt, bevor es zur ersten Veröffentlichung kam. Bei mir steht allerdings die Charakterentwicklung immer am Anfang. Der Weltenbau richtet sich nach den Charakterideen. Schreibtheorie und entsprechende Kenntnisse derselben fließen natürlich mit ein.

F: Hast du alle Details im Kopf?

A: Nein. Ich hätte gern alle Details im Kopf, am liebsten per Wetware als Gehirnimplantat, aber das geht leider (noch) nicht. Bei Nefilim KI sprechen wir von über 1,259 Millionen Wörtern. Rechnet man noch das verknüpfte Kabal-Universum mit je zwei Trilogien hinzu und die anderen Projekte … da ist es einfach nicht möglich, alle Details im Kopf zu behalten. Ich pflege daher eine Datenbank. Letztes Jahr hat eine Teilzeitkraft mich bei der Pflege der Datenbank unterstützt, die mittlerweile 338 Artikel mit Daten zu Technologie, Fahrzeugen, Spezies, Planeten, Kultur, Nahrungsmitteln usw. umfasst (nur für NKI, es gibt noch eine zusätzliche Kabal-Datenbank). Wir haben jetzt auch eine Liste mit allen Charakternamen, die jemals in NKI auftauchten, es sind über 250 Namen darauf. Das werde ich demnächst in die Datenbank einpflegen. Ein Textdokument, das ich parallel beim Schreiben eines neuen NKI-Romans geöffnet habe, enthält zudem alle NKI-Manuskripte (Umfang derzeit: 5770 Normseiten). Darin schlage ich nach, wenn ich bestimmte Textstellen nachlesen will. Witzigerweise reicht dazu oft eine simple Suchfunktion. Ich kann mir zwar nicht merken, wo etwas steht, aber mit welchen Wörtern ich es geschrieben habe, schon. Da reicht dann oft ein Schlüsselwort, das mir meist sofort einfällt und die Suchfunktion führt mich ans Ziel. Um es Lesern leichter zu machen, füge ich mittlerweile Fußnoten an kritischen Stellen ein, damit keine Verständnisprobleme auftreten, das sind meist nur eine Handvoll pro Roman.

F: Hast du einen »War-Room« wo die Zeitgeschichte, die Charaktere usw. übersichtlich dargestellt sind?

A: Nein, aber die Idee allein verlangt beinahe nach einer Umsetzung. Bis dahin muss die Datenbank herhalten, fürchte ich.

F: Ist die Handlung einer Trilogie fertig überlegt, wenn das erste Buch erscheint?

A: Ja. Meistens sind sogar die Romane schon fertig, bei Grandtal und bei der aktuellen Pentapolis Trilogie ist das der Fall (der dritte Roman befindet sich bereits in der Überarbeitung und erscheint bald). Beim Zweiteiler Aramos vor einigen Jahren hatten wir das nicht gemacht und es hat dann eine Ewigkeit gedauert, bis der zweite Teil erschien. Wir haben aus dem Fehler gelernt, aber auch erkannt, dass Leser einen Fehler machen, der Folgen für die ganze Literaturlandschaft haben wird.
Die Tatsache, dass viele Leser bis zur Fertigstellung einer Trilogie warten, bis sie den ersten Band kaufen, hat den Tod der Trilogie zur Folge – das finanzielle Risiko für Verlage oder Selfpublisher ist zu hoch, weil klassische Trilogien (oder Mehrteiler) eigentlich nicht in einem Rutsch geschrieben werden können, sondern nur parallel zu anderen Projekten, denn das Schreiben von drei oder mehr Romanen dauert schon mal ein Jahr und muss finanziert werden, wenn in dieser Zeit keine anderen Projekte veröffentlicht werden. Der Leser verlangt aber mit seinem Kaufverhalten eine rasch aufeinanderfolgende Veröffentlichung auch bei einer Trilogie. Dieser Widerspruch kann auf Dauer nicht gutgehen. Trilogien wird es daher nach meiner Vermutung in Zukunft seltener geben als bisher, sie sind einfach zu riskant. Blake und ich werden in Zukunft versuchen, mehr auf Leserwünsche einzugehen.

F: Mit wie vielen deiner Leser bist du so im Kontakt? Wie hoch ist das Leserfeedback?

A: Uff. Die meisten Leserkontakte entstehen per E-Mail. Seit 2011 hatte ich hunderte Leserzuschriften per E-Mail. Zu einer Handvoll Lesern hat sich manchmal ein regelmäßiger Austausch ergeben. Das Leserfeedback ist unterschiedlich, es kann sein, dass mich zwei Monate niemand anschreibt, dann (zum Beispiel bei einer Veröffentlichung) kommt ein ganzer Schwung an E-Mails und ich komme mit dem Beantworten kaum hinterher. Im Moment bin ich sehr aktiv und erhalte entsprechend Dutzende E-Mails. Entschuldigt bitte, falls ich mal nicht antworte oder wenn es länger dauert.

F: Wurde daran gedacht, NKI zu verfilmen? Würde doch eine tolle Serie abgeben!

A: Ich hätte natürlich nichts gegen eine coole SF-Serie auf Netflix. Nefilim KI auf Netflix! Ha. Das wäre was. Oder auf Amazon, die haben ja ihr eigenes Studio und müssten nur anrufen. Hey, Amazon, verfilmt doch mal Nefilim KI!
Mal im Ernst: Die Nefilim KI Reihe bietet eine hervorragende Vorlage für eine Serie. Als diplomierter Filmemacher habe ich beim Schreiben oft eine Idee für die Umsetzung in ein Drehbuch gehabt, etliche Aspekte der Handlung ließen sich einfach von der Textform in ein knackiges Drehbuch übertragen, ohne dass es zu den Katastrophen kommt, die Buchverfilmungen häufig ruiniert – ich weiß das, ich habe Drehbücher analysiert, geschrieben und umgesetzt. Ich kann es förmlich vor mir sehen. Wenn man mich darauf ansprechen würde, wäre ich sehr offen.
Ich lege den Zaunpfahl jetzt mal zur Seite, vielleicht hat es was gebracht.

F: Wie funktioniert die Publikation, von der Fertigstellung des Buches bis zur Veröffentlichung?

A: In unserem Fall arbeiten wir zu zweit, meine Frau, die diplomierte Illustratorin und Grafikdesignerin ist, unterstützt mich, ich unterstütze sie bei ihren Projekten, bzw. wir haben ein eigenes kleines Zeit- und Projektmanagement in unserem verlagsähnlich aufgebauten Unternehmen und hatten im letzten Jahr auch eine Teilzeitkraft angestellt, die uns in manchen Dingen unterstützen konnte. Es gibt zwei Ausführungen der Romane: eBooks und Taschenbücher. Wir haben uns exklusiv an Amazon gebunden und veröffentlichen über Kindle Direct Publishing. Praktisch ist der Workflow so: Ein Manuskript wird in Papyrus Autor (Textverarbeitung für Schriftsteller) geschrieben. Dann gibt es mehrere Überarbeitungsschleifen (Lektorat und Korrektorat), dann werden mittlerweile direkt in Papyrus Autor sowohl eine eBook-Datei als auch eine Taschenbuchdruckvorlage erstellt. Parallel entstehen die Cover. Bei uns verwenden wir entweder eigene Illustrationen oder hinzugekaufte Arbeiten, die bei uns im Hause überarbeitet und grafisch mit den Titeltexten etc. zu einem Cover zusammengefügt werden. Die Arbeit für das Taschenbuch verdreifacht den Aufwand, da hier Rückcover und Buchrücken hinzukommen, außerdem muss auch der Inhalt ein vernünftiges Layout bekommen. Dann werden das eBook und das Taschenbuch hochgeladen. Es dauert ein paar Tage bis KDP die Produktseiten erstellt hat, dann nochmal deutlich länger, bis Taschenbuch und eBook auf der gleichen Seite erscheinen, bzw. die Seitenzahlen korrekt angezeigt werden. Zeitgleich erstellen wir Webseitenartikel, schreiben Newsletter und machen Werbung über verschiedene Kanäle. Unser größter Vorteil ist, dass wir zusammen viele notwendige Schlüsselqualifikationen mitbringen, für die andere Selfpublisher, bzw. Verlage, entsprechende Dienstleister bezahlen müssen. Mir gefällt es, dass wir durch unsere Herangehensweise unabhängig sind.

F: Wie oft wird Korrektur gelesen? Kann man sich dafür anmelden, um zu unterstützen?

A: Korrigiert wird zum ersten Mal bereits beim Schreiben, dank Papyrus Autor, einer speziellen Textverarbeitung für Schriftsteller. Diese ist die einzige Software, die eine volle Integration des Duden inklusive einer sehr hochentwickelten Korrekturfunktion enthält, wodurch solche Tippfehler, aber auch Grammatik- und Zeichensetzungsfehler meistens erkannt werden. Danach gibt es zwei manuelle Korrekturschleifen vor der Veröffentlichung, weitere im Laufe der Jahre danach, teilweise durch ein Kundenfeedbacksystem bei Amazon.
Wir haben direkt nach einer Veröffentlichung im Schnitt noch bis zu zwanzig Tippfehler in einem Roman mit rund 300000 Zeichen. Das ist eine Fehlerquote von 0,00667 Prozent. Der größte Teil dieser Fehler wird im Laufe der Jahre nach der Veröffentlichung korrigiert, entweder durch uns, oder das Kindle-Qualitätssicherungssystem, das leider selbst eine deutlich höhere Fehlerquote aufweist, was ironisch, vor allem aber nervig ist. Ein vollkommen fehlerfreies Buch gibt es allerdings nie. Die meisten Romane, die ich lese, enthalten mehr Fehler, als unsere Bücher. Bei Verlagsveröffentlichungen eigentlich nicht nachvollziehbar.
Wer trotz unserer Fehlerquote dabei helfen will, auffällige Tippfehler zu finden, kann sich bei uns melden, einfach per E-Mail, wir klären dann den Rahmen der Möglichkeiten ab.

F: Liest du in deiner Freizeit andere (SciFi) Bücher? Von welchen Autoren?

A: Natürlich! Ich liebe Zelaznys Werke und Kurzgeschichten, aber auch die ganzen Klassiker und lese auch aktuelle Romane. Nicht so interessiert bin ich mittlerweile an arg hölzern geschriebenen Charakteren. Manchmal merke ich, dass es dem Erzähler mehr auf die Idee und das Konzept ankam, als auf die handelnden Personen. Ich verliere da oft das Interesse an der Erzählung. Langatmige psychologische, ökonomische oder technische Erläuterungen, die in Sachbücher gehören, lese ich auch lieber in ebensolchen. Ich bevorzuge Romane, die mich mit guten Charakteren und Spannung fesseln können, ich ziehe meinen Genuss aus der Struktur einer guten Erzählung, der Vorstellungskraft des Erzählers und einer flüssigen Sprache ohne zu viel selbstverliebte Eloquenz. Das ist aber meine Sichtweise – sie hat sich geändert, seit ich selbst Schriftsteller geworden bin. Geschmäcker sind zum Glück unterschiedlich, das bringt so viel Leben in die Literaturlandschaft.

F: Soweit ich weiß, hast du an irgendeiner Stelle in deinem Leben entschieden, deinen Beruf an den Nagel zu hängen und etwas Neues zu wagen. Gab es einen speziellen Auslöser oder Moment, der dich dazu gebracht hat?

A: Ja, ich habe Nefilim KI veröffentlicht und verdiente plötzlich genug, um davon allein leben zu können. Der Erfolg rechtfertigte, dass ich meinen Traumberuf ergreifen und den alten Job an den Nagel hängen konnte. Das war zu einem Zeitpunkt, wo ich, wie ich zugeben muss, nicht mehr damit gerechnet hatte, Schriftsteller zu werden. Ich war damals Mitte dreißig, was tatsächlich ein typisches Einstiegsalter für Schriftsteller ist. Nur Komponisten sind noch später dran, also eigentlich alles eher gewöhnlich. Angefühlt hat es sich aber alles andere als das. Seither bin ich dabei geblieben und habe es nie bereut. Im Gegenteil!

F: Typische Frage eines „nine to five jobbers“: Lebt man als freischaffender Künstler, egal ob Fotograf, Illustrator/in oder Schriftsteller nicht ständig mit der Angst, nicht genau zu wissen, was nächsten Monat auf dem Konto ist? Oder ist das Freiheitsgefühl stärker als die Angst? Oder sogar jede Angst wert?

A: Als freiberuflicher Schriftsteller, gerade auch im Selfpublisher-Szenario, hat man einen gewaltigen Vorteil, man verfügt über eine Art von passivem Einkommen, das Monate oder sogar Jahre vorhalten kann. Das bedeutet, man erhält auch dann Geld, wenn man nicht arbeitet, was eventuelle Existenzängste mildert. Voraussetzung ist, dass man am Anfang der Tätigkeit lange genug fleißig genug war und dann nicht zu lange untätig bleibt. Eine Lebensplanung ist also durchaus möglich, man sollte nur anders Rücklagen bilden und nicht im Luxus schwelgen, wenn ein Jahr üppig ausfällt – es kann auch immer ein mageres Jahr geben.

F: Wo macht man Urlaub, wenn man schon am Meer wohnt?

A: Urlaub? Was ist das? Ich versuche seit acht Jahren, endlich so etwas wie einen richtigen Urlaub zu machen, meistens kommt eine Buchveröffentlichung dazwischen. Letztes Jahr habe ich mir Auszeiten gegönnt, bin aber nicht verreist, weil mir dazu die Kraft gefehlt hat. Dieses Jahr haben wir bereits sechs Romane veröffentlicht und es kommen noch zwei, da ist keine Zeit für Urlaub. Ich versuche es also nächstes Jahr nochmal …

F: Hast du mehr Ideen für Projekte als Zeit zu schreiben, oder sitzt du auch schon mal vor einem leeren Blatt und hast keine Ahnung, was du tun sollst?

A: Ich habe definitiv mehr Ideen als Zeit für Projekte. Irgendwer sagte mal: »Ideen zu haben ist himmlisch, sie auszuarbeiten die Hölle.« Das stimmt so nicht ganz, mir macht das Ausarbeiten sehr viel Spaß, es ist bloß irre zeitaufwändig. Ich habe ein paar Dutzend Romanideen, einige angefangene Projekte und werde es vermutlich nie schaffen, sie umzusetzen. Das größte Problem ist, sich für ein Projekt zu entscheiden.

F: Wenn du an einem Projekt arbeitest, gibt es Momente / Tage / Wochen, an denen du völlig ideenlos bist, wie du in einer Geschichte weiterkommen sollst?

A: Wenn es irgendwo »hakt«, gebe ich mir und meinem Unbewussten Zeit. Im Fall von Nefilim KI tat mir die lange Pause letztes Jahr und das Arbeiten an anderen Projekten abgesehen von Reons Zorn in diesem Jahr gut, die Einfälle und vor allem meine Motivation sprudeln im Moment wieder über. Ich habe daher für die Zukunft regelmäßige Veröffentlichungspausen (Sommerpausen zum Beispiel) als Möglichkeit erwogen, um aus dieser Erfahrung die bestmögliche Erkenntnis zu gewinnen. Vielleicht verreise ich dann auch mal.

F: Wenn du mal eine Blockade hast, gibt es die eine Sache, die dir immer hilft diese aufzulösen oder probierst du da immer neu rum?

A: Vollkommene Schreibblockaden halte ich beinahe für einen Mythos, obwohl es sie wohl gibt. Ich habe sie noch nie selbst erlebt. Ich kann mich jederzeit hinsetzen und schreiben. Man könnte mich mitten in der Nacht aufwecken und an eine Tastatur setzen, ich könnte sofort drauflosschreiben – keine Angeberei, das ist schlichtweg Trainingssache, jeder kann das. Wer vollkommene Schreibblockaden hat, muss »fitter« werden und mehr trainieren, es gibt viel Literatur zum Thema Kreativität, die hilft, eigene Wege zu entdecken. Wer ein paar Monate lang täglich nur einen – kreativen – Satz schreibt, wird schon feststellen, dass es erheblich leichter wird, jederzeit zu schreiben. Macht man aus dem täglichen Satz einen Absatz, dann irgendwann eine ganze Seite, kann man auch gleich ein ganzes Buch schreiben. Blockaden gibt es dann eigentlich nicht mehr … höchstens technische Probleme mit Struktur, Dialog oder Plot, die alle gelöst werden können, wenn man fleißig, beharrlich und pedantisch ist.

F: Man merkt eine Begeisterung für Abenteuer an deinen Werken. Was war bisher dein größtes persönliches Abenteuer?

A: Ich glaube, dass das Verlangen nach etwas Unerreichbarem die Fantasie am stärksten anregt, deswegen begeistere ich mich für fremde Welten und Wesen und die Weite des Weltraums (das war jetzt keine geplante Alliteration). Meine größten persönlichen Abenteuer verblassen dagegen naturgemäß … bis auf diese eine Begegnung mit … nein, das erzähle ich am Ende meines Lebens, wenn die Menschheit für diese Offenbarung bereit ist.

F: Weißt du wie viele Exemplare Nefilim KI (alle Teile addiert) ungefähr gekauft wurden? Kannst du sehen wie viele davon E-Books und wie viele gedruckte Bücher waren?

A: Wir haben vor ein paar Jahren gezählt und es waren über 100.000 Exemplare. Es dürften mehr hinzugekommen sein. Schwierig wird es, weil Kindle Unlimited (das Abo-Angebot von Amazon), keine Zählung in Form von Exemplaren ermöglicht, sondern nur Seiten zählt. Einige Millionen gelesene Seiten kommen also noch hinzu. Klingt toll, macht aber nicht reich. Taschenbücher verkaufe ich wenig, da ich ausschließlich print-on-demand per Amazon anbiete und keinen stationären Buchhandel beliefern kann.

F: Welcher ist nach Nefilim KI dein/euer erfolgreichster Roman?

A: Die Leitstern-Trilogie, die überwiegend unter Blakes Federführung entstanden ist, ist mit Abstand die erfolgreichste Erzählung nach Nefilim KI.

Ein Klick auf die Cover führt zu den eBooks bei Amazon

F: Was isst du am liebsten? Was magst du gar nicht?

A: Hackbraten mit Rotkohl, Kartoffeln, so richtige Hausmannskost finde ich lecker. Ich bin einfach kein Veganer, ich habe es ausprobiert. Auch wenn ich immer weniger Fleisch und fast nur noch Bio esse, muss es einfach sein, mir fehlt da sonst etwas, eingebildet oder nicht.
Insekten finde ich nicht so appetitlich. Es gibt da auch diese chinesische Grassuppe, wo man das halbverdaute Gras im Magen einer toten Kuh kocht … ich habe den Namen vergessen. Eklig.

F: Unter uns Kaffeejunkies: Wie magst du deinen Kaffee am liebsten?

A: Am liebsten frisch gepresst aus der Bodum-Kanne mit Milch, soll aber ungesund sein. Ich trinke daher fast nur Filterkaffee, inzwischen nur noch mit Mandelmilch.

F: Wie geht es mit der Crew der ELAIOS weiter? Welche Geheimnisse tragen die Crewmitglieder noch so mit sich herum?

A: Ich verrate nicht, wie es weitergeht, oder welche Geheimnisse die Crewmitglieder verbergen, aber ich kann an dieser Stelle verraten, dass es weitergeht. Wir haben Folgebände geplant, denn das Potenzial des Leitstern-Universums ist noch lange nicht ausgeschöpft. Wir haben die Zeit gut genutzt, um die Welt auszubauen und den weiteren Verlauf zu erwägen. Sobald Pentapolis abgeschlossen ist, machen wir uns an die Fortsetzung von Leitstern.